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Dear Granny in 2017

KW 512017

Liebe Omi

mit dem Tod von Opa in diesem Sommer und dem Wissen, dass ihr beide bezie­hungs­weise eure Seelen nun wieder ver­eint sind, erreichte ich einen Punkt, an dem ich lernte besser los­zu­lassen. Als wäre es für mich nötig gewesen zu wissen, dass dein Mann bei dir ist. Ein beru­hi­gendes Gefühl zu wissen, dass er nun nach dir schaut. Ich ver­traue ihm, ihn kenne ich.

Als ich im ver­gan­genen Jahr das Wort an dich rich­tete und dir ein paar Zeilen schrieb, war mein Stand im Leben ein völlig anderer. Ich hatte gerade meine große Liebe ver­loren, den Mann ver­lassen, den ich dir zur zuletzt vor­ge­stellt habe. Es war mir doch so wichtig, dass du weißt wer an meiner Seite geht und künftig auf mich auf­passen wird… Unser „wir“ war nicht für immer bestimmt und somit trennten sich unsere Wege. In meinem letzten Brief konnte, wollte ich das aber noch nicht offen aus­spre­chen.

Wie gerne hätte ich dir damals in meinem Brief etwas erzählt was dich stolz gemacht hätte. Und ich erin­nere mich auch noch gut daran wie ernüch­ternd es für mich selbst war, zu lesen was ich dir statt­dessen schrieb. Ich war voller Zweifel, fühlte mich klein, lebte unge­sund und ver­lernte Dinge, die du mir bei­gebracht hat­test.

Das neue Jahr begann und als würde der Wind in eine andere Rich­tung wehen, so sollte sich auch für mich alles ver­än­dern. Wider Erwarten.

Hast du da viel­leicht ein wenig nach­ge­holfen? Ganz bestimmt, denn du wuss­test ja schon immer wohin ich am besten gehen sollte, was das Rich­tige für mich ist.

Ich wagte den Schritt in meine eigenen vier Wände. Lange hatte ich nach der per­fekten Woh­nung gesucht, auf den per­fekten Moment gewartet. Anfang 2018 war es dann soweit. Alles war genauso ich es mir vor­ge­stellt hatte, wie ich es haben wollte – nur ich. Ich fühlte mich sehr wohl. Auch all­ge­mein erlangte ich plötz­lich einen wahn­sin­nigen Auf­trieb. Ich wuchs – womög­lich an meinem Ver­sagen.

Mit Fasching, ja stell dir vor ich habe die fünfte Jah­res­zeit wieder einmal so richtig aus­giebig gefeiert, gewann eine lang­jäh­rige Ver­bin­dung und wieder auf­ge­keimte Freund­schaft an Tief­gang. Ich hätte nicht gedacht, dass es mög­lich ist inner­halb kurzer Zeit die große Liebe zu ver­lieren, aber dafür die » Liebe meines Lebens « zu finden.

Ver­mut­lich wür­dest du jetzt sagen:
„Kind lass dir doch Zeit und lebe noch ein wenig dein Leben.“
Davon hatte ich genug.

In den darauf fol­genden Monaten stellte ich fest wie bereite ich eigent­lich tat­säch­lich war für das echte Leben, dieses Erwach­senen-Ding. Ich begann mich gesund zu ernähren, fing wieder an zu kochen. Ja, ich trieb sogar regel­mäßig Sport, fuhr sogar mit dem Rad zur Arbeit. Kannst du dir das vor­stellen? Wäh­rend sich mein Life­style so nach und nach ver­än­derte, ver­liebte ich mich immer mehr. Wow fühlte sich das alles gut an! So sehr, dass unsere Liebe umge­hend mit einem Kind gekrönt werden sollte. Ich wurde schwanger. Ja, du wür­dest dem­nach in Kürze Uroma werden.

Einer meiner sehn­lichsten Wün­sche war jeher, dass du mit­er­lebst wie mein Bauch immer größer wird. Oh ja ich wollte wirk­lich sehr, dass mein Kind deine Liebe und Wärme erfahren könnte. Du warst für mich die per­fekte Oma, eine so beein­dru­ckende Frau – diese Person soll­test du auch für mein Kind sein. In meiner Vor­stel­lung habe ich deine Hände ganz oft auf meinem kugel­runden Bauch liegen sehen. Ich hörte uns reden, wie wir als Frauen über das Thema Kinder spra­chen. Ja, ich bin jetzt eine Frau. Spä­tes­tens jetzt. Dieser beson­dere Moment in meinem Leben ruft erneut die Trauer über dein Ableben hervor. Du bist nicht dabei… Ja, ich möchte heulen und wie ein naives Kind sagen: „Das ist unfair!“, obwohl es ein­fach nur der Lauf des Lebens ist.

Schön ist, dass ich mich heute mit fol­genden Zeilen ver­ab­schieden kann und dir somit ein gutes Gefühl geben kann. Ich kann dir näm­lich ver­si­chern, dass du dich ab sofort nicht mehr um mich zu sorgen brauchst. Dein Mäd­chen ist jetzt groß und vor allem in den rich­tigen Händen. Ich werde wei­terhin ver­su­chen alles richtig zu machen, ein guter Mensch zu sein – eine gute Mutter, eine gute Frau. Ver­spro­chen!

Du bist in meinem Herzen!

Dein Mutschele
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11 Responses
  • Pia
    21 . 01 . 2018

    Wider Erwar­tung … pas­siert so viel im Leben. In „guten Händen“ zu sein und ein Baby von der Liebe des Lebens zu erwarten klingt nach einem sehr großen Glück! Ich wün­sche Dir ein unge­wöhn­lich-schönes und auf­re­gendes Jahr! Viele Grüße an Euch Drei!
    Pia

  • abookishloveaffaire
    20 . 01 . 2018

    Welch schönen Worte für Deine Oma!
    Ich finde auch, dass es extrem wichtig sein kann (für mich ist es das), alles mal auf­zu­schreiben, egal in wel­cher Form. Das mache ich auch regel­mäßig.
    Und ich bin mir sicher, Deine Oma wäre froh, dass Du in den rich­tigen Händen bist und Deinen Weg für Euch gehst.

  • Miss Classy
    20 . 01 . 2018

    Ein sehr schöner Brief. Finde es super dass du deine Gedanken und Gefühle auf diese Weise ver­ar­bei­test, ich denke jeder sollte seinen Weg finden wie er mit dem Ver­lust von geliebten Men­schen umgeht.

    Liebste Grüße
    Doris
    http://www.miss-classy.com

  • Who is Mocca?
    20 . 01 . 2018

    Wun­der­voll geschrieben! Ich habe meine Oma eben­falls ver­loren und Jahr für Jahr schreibe ich ihr Brief-Updates. Ich weiß, sie schaut auf mich denn alles pas­siert aus einem guten Grund! :)

    Alles Liebe,
    Verena
    whoismocca.com

  • Jacqueline
    20 . 01 . 2018

    Das ist so schön geschrieben, ich danke Dir für die Worte!!

    Ich ver­stehe Dich sehr sehr gut, vor einigen Jahren habe ich auch jemanden sehr wich­tiges ver­loren!

    Ich wün­sche Euch nur das Beste!

    Hab ein schönes Wochen­ende!

    xoxo
    Jac­que­line

  • Lieblingsleseplatz
    20 . 01 . 2018

    Danke für das Teilen Deiner Gedanken und Gefühle!
    Ein sehr schöner Brief!

  • Joyful Food
    20 . 01 . 2018

    Das sind wirk­lich rüh­rende Worte. Es tut mir um den Ver­lust wirk­lich leid. Mein Opa ist auch schon von uns gegangen. Deine Oma wird jetzt wirk­lich stolz auf dich sein. Denn das aller­wich­tigste ist, DU musst dich gut fühlen! Es ist DEIN Leben.
    Ganz liebe Grüße,
    Steffi von
    https://www.joyfulfood.de

  • Rebecca
    20 . 01 . 2018

    Das ist ein so wun­der­schöner Bei­trag, der mich zu Tränen gerührt hat. Eine wirk­lich bit­ter­süße Geschichte mit einer riesen Por­tion Hap­pyend, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann.
    Abschied­nehmen ist wichtig und vor allem dann, wenn man auch wirk­lich dazu bereit ist und nicht, wenn es von einem ver­langt wird. Es muss von Herzen kommen und man spürt bei Dir, dass jedes Wort von Herzen kommt.
    ich wün­sche Dir und Deiner kleinen Familie alles nur erdenk­liche Gute!

    xo Rebecca
    https://pineapplesandpumps.com/

  • L❤ebe was ist
    20 . 01 . 2018

    liebste Janine,
    dein Bei­trag heute hat mich sehr berührt! ich kann mir deinen Wunsch nur ansatz­weise vor­stellen, aber natür­lich sehr gut nach­voll­ziehen :)

    leider habe ich nie eine innige Bezie­hung zu meinen Groß­el­tern führen können, weil die eine Hälfte vor meiner Geburt auch von uns gegangen ist und die andere jeg­li­chen Kon­takt mied …

    ich wün­sche dir nur alles erdenk­lich Gute!
    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

  • Steffi
    20 . 01 . 2018

    Hey,

    mein Opa ist vor 5 Jahren gestorben. Er und ich hatten ein sehr gutes Ver­hältnis, da ich ihn 2x die Woche auch geduscht habe etc. Ich kann nach­voll­ziehen wie es dir geht und welche Leere man fühlt.

    Wün­sche dir wei­terhin viel Kraft.

    Lg
    Steffi

  • missfinnland
    20 . 01 . 2018

    Ich kann den Ver­lust eines geliebten Men­schen so gut nach­voll­ziehen. Meine Oma ist vor 2 Jahren ver­storben und alleine der Gedanke daran, treibt mir die Tränen in die Augen. Der Schmerz wird wohl nicht weniger werden.

    Aber sie wird bestimmt von oben herab sehen uns stolz auf dich sein und immer ihre Hand schüt­zend über dich halten.

    Schönes Wochen­ende!

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